Was bedeutet Kundenzentrierung messen?
Kundenzentrierung lässt sich nicht mit einer einzigen Kennzahl messen.
Denn Kundenzentrierung beschreibt nicht nur, ob Kunden zufrieden sind. Sie zeigt auch, wie konsequent ein Unternehmen Kundenbedürfnisse in Entscheidungen, Prozesse und Strukturen einbezieht.
Deshalb sollte die Messung zwei Perspektiven verbinden:
- Die Kundenperspektive:
Wie erleben Kunden das Unternehmen? - Die Unternehmensperspektive:
Wie stark sind Kundenbedürfnisse tatsächlich in Strategie, Prozessen und Entscheidungen verankert?
Kennzahlen wie NPS, CSAT oder CES können zeigen, wie Kunden bestimmte Erfahrungen bewerten.
Um den tatsächlichen Grad der Kundenzentrierung zu beurteilen, sollten zusätzlich interne Faktoren betrachtet werden – beispielsweise die Nutzung von Kundenfeedback, Verantwortlichkeiten, bereichsübergreifende Zusammenarbeit und die Verankerung der Kundenperspektive in Entscheidungen.
So entsteht ein umfassenderes Bild darüber, wie kundenzentriert ein Unternehmen tatsächlich arbeitet.
Wichtige Kennzahlen zur Messung der Kundenzentrierung
1. Kennzahl: Net Promoter Score
- Misst die Wahrscheinlichkeit, mit der Kunden das Unternehmen weiterempfehlen würden.
- Direkter Indikator für Kundenzufriedenheit und Loyalität.

2. Kennzahl: Customer Satisfaction Score
- Bewertet die Zufriedenheit der Kunden nach einer bestimmten Interaktion oder Erfahrung.
- Liefert unmittelbares Feedback zu Produkten oder Dienstleistungen.
3. Kennzahl: Customer Effort Score (CES)
- Erfasst, wie viel Aufwand Kunden betreiben müssen, um ein Problem zu lösen oder ein Ziel zu erreichen.
- Ein niedriger CES zeigt eine einfache und angenehme Kundenerfahrung.
4. Kennzahl: Customer Lifetime Value (CLV)
- Berechnet den finanziellen Gesamtwert, den ein Kunde während seiner Beziehung zum Unternehmen generiert.
- Hoher CLV deutet auf starke Kundenbindung und effektive Kundenzentrierung hin.
5. Kennzahl: Kundenfeedback
- Offene Fragen und qualitative Daten bieten tiefere Einblicke in die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden.

6. Kennzahl: Kundenabwanderungsrate (Churn Rate)
- Zeigt, wie viele Kunden das Unternehmen innerhalb eines bestimmten Zeitraums verlassen haben.
- Eine niedrige Churn Rate signalisiert gute Kundenzentrierung.
Wie lässt sich der Reifegrad der Kundenzentrierung messen?
Ein Reifegradmodell betrachtet, wie stark Kundenzentrierung in verschiedenen Bereichen eines Unternehmens verankert ist.
Dabei können beispielsweise folgende Dimensionen bewertet werden:
1. Kundenverständnis
- Werden Kundenbedürfnisse regelmäßig erhoben?
- Werden Zielgruppen und Kundensegmente systematisch analysiert?
- Werden qualitative und quantitative Kundendaten miteinander verbunden?
2. Kundenfeedback
- Wird Feedback regelmäßig erhoben?
- Gibt es klare Prozesse für die Auswertung?
- Werden Erkenntnisse tatsächlich in Maßnahmen übersetzt?
- Erfahren Kunden, was aus ihrem Feedback entstanden ist?
3. Strategie
- Ist Kundenzentrierung Bestandteil der Unternehmensstrategie?
- Gibt es klare Ziele für die Customer Experience?
- Werden Entscheidungen anhand von Kundenbedürfnissen geprüft?
4. Prozesse und Customer Journeys
- Werden Prozesse aus Kundensicht betrachtet?
- Sind wichtige Customer Journeys dokumentiert?
- Werden Pain Points systematisch identifiziert und verbessert?
5. Verantwortlichkeiten
- Gibt es klare Verantwortliche für kundenbezogene Themen?
- Arbeiten Marketing, Vertrieb, Produkt und Service gemeinsam an der Customer Experience?
- Sind Zuständigkeiten für Verbesserungsmaßnahmen definiert?
6. Unternehmenskultur
- Wird Kundenfeedback im Unternehmen regelmäßig geteilt?
- Haben Mitarbeitende Zugang zu relevanten Kundeninformationen?
- Werden Entscheidungen auch aus Sicht des Kunden diskutiert?
7. Messung und kontinuierliche Verbesserung
- Gibt es definierte CX-Kennzahlen?
- Werden Ergebnisse regelmäßig überprüft?
- Werden Verbesserungen nach der Umsetzung erneut gemessen?
Auf Basis dieser Dimensionen kann ein Unternehmen seinen aktuellen Reifegrad einschätzen und erkennen, in welchen Bereichen bereits eine starke Kundenzentrierung besteht und wo noch Entwicklungspotenzial vorhanden ist.
Beispiel für ein Reifegradmodell der Kundenzentrierung
Der Reifegrad kann beispielsweise in vier Stufen eingeteilt werden:
Stufe 1: Reaktiv
Kundenfeedback wird hauptsächlich bei Problemen erhoben. Entscheidungen basieren überwiegend auf internen Annahmen.
Stufe 2: Strukturiert
Kundenfeedback und CX-Kennzahlen werden regelmäßig erhoben. Erste Verantwortlichkeiten und Prozesse sind definiert.
Stufe 3: Integriert
Kundendaten, Feedback und Customer Journeys fließen systematisch in Entscheidungen verschiedener Unternehmensbereiche ein.
Stufe 4: Kundenzentriert
Die Kundenperspektive ist fest in Strategie, Kultur, Prozessen und Entscheidungen verankert. Kundenzentrierung wird kontinuierlich gemessen und weiterentwickelt.
Methoden zur Messung der Kundenzentrierung
1. Methode: Datenanalyse
Die Analyse von Kundeninteraktionen, Kaufverhalten und Support-Anfragen liefert wertvolle Hinweise.

2. Methode: Mitarbeiterbefragungen
Fragt man die eigenen Mitarbeiter, erhält man Einblicke in deren Wahrnehmung der Kundenzentrierung.
3. Methode: Customer Journey Mapping
Visualisierung der gesamten Kundenerfahrung zeigt Schwachstellen und Möglichkeiten zur Verbesserung.
4. Methode: Social Media Monitoring
Analyse von Kundenmeinungen und Feedback in sozialen Netzwerken gibt Einblicke in die öffentliche Wahrnehmung.
Kundenzentrierung messen: Schritt für Schritt
1. Ziel der Messung definieren
Kläre zunächst, was du herausfinden möchtest.
Soll die Wirkung bestehender Maßnahmen überprüft oder der allgemeine Reifegrad der Kundenzentrierung bewertet werden?
2. Kundenperspektive erfassen
Nutze beispielsweise:
- Kundenbefragungen
- NPS, CSAT oder CES
- Interviews
- Beschwerden
- Bewertungen
- Verhaltensdaten
3. Unternehmensperspektive erfassen
Befrage zusätzlich Mitarbeitende und Verantwortliche zu Themen wie:
- Umgang mit Kundenfeedback
- Entscheidungsprozesse
- Verantwortlichkeiten
- Zusammenarbeit
- Kundenverständnis
4. Ergebnisse zusammenführen

Vergleiche die externe Kundenperspektive mit der internen Einschätzung.
So kann beispielsweise sichtbar werden, dass ein Unternehmen sich intern bereits als stark kundenzentriert bewertet, Kunden bestimmte Prozesse aber weiterhin als kompliziert erleben.
5. Reifegrad und Handlungsfelder bestimmen
Bewerte anschließend, in welchen Bereichen das Unternehmen bereits gut aufgestellt ist und wo die größten Lücken bestehen.
6. Maßnahmen priorisieren
Priorisiere diejenigen Themen, die sowohl für Kunden relevant als auch organisatorisch verbesserbar sind.
7. Entwicklung regelmäßig überprüfen
Wiederhole die Messung in regelmäßigen Abständen.
So kannst du erkennen, ob sich Kundenzentrierung tatsächlich weiterentwickelt und ob Maßnahmen die gewünschte Wirkung erzielen.
Herausforderungen beim Messen der Kundenzentrierung
- Subjektivität: Kundenzentrierung ist oft schwer in klare Zahlen zu fassen.
- Komplexität: Die Erhebung und Analyse der Daten erfordert Zeit und Ressourcen.
- Kontinuierliche Anpassung: Kundenbedürfnisse ändern sich, was regelmäßige Messungen und Anpassungen notwendig macht.
Fazit
Die Messung von Kundenzentrierung ist essenziell, um die Kundenbindung und Zufriedenheit nachhaltig zu verbessern.
Durch den Einsatz geeigneter Kennzahlen wie NPS, CSAT und CLV sowie datengetriebener Methoden können Unternehmen fundierte Entscheidungen treffen und gezielt an ihrer Kundenorientierung arbeiten.
Auch wenn der Prozess herausfordernd sein mag, ist der Nutzen immens: Eine starke Kundenzentrierung schafft loyale Kunden, stärkt die Marke und sichert langfristigen Erfolg.
Der Weg zur Kundenzentrierung beginnt mit der Bereitschaft, den Kunden zuzuhören und das eigene Handeln konsequent an deren Bedürfnissen auszurichten.


